Bevölkerung

 HauptartikelPortugiesen

Portugal ist, bezogen auf die alteingesessene Bevölkerung, in sprachlicher, ethnischer und religiöser Hinsicht ein sehr homogenes Land. Die portugiesische Sprache wird im ganzen Land gesprochen, und nur in den Dörfern von Miranda do Douro wird ein dem Asturischen zugeordneter Dialekt (Mirandés) gesprochen, der als Minderheitensprache anerkannt wird.

Die dichteste Besiedelung weist ein Küstenstreifen von der spanischen Grenze im Norden bis in die Gegend um Lissabon auf. Während in diesem Streifen 70 % der Bevölkerung leben, sind das Hinterland und der Süden Portugals sehr dünn besiedelt. Mehr als 10 % der Bevölkerung entfällt auf zwei Städte (Lissabon und Porto), während mehr als die Hälfte in Orten unter 2000 Einwohnern lebt. Der Trend geht in Portugal in Richtung Verstädterung.

Bevölkerungsentwicklung

Bevölkerungsentwicklung Portugals (in Tausend, 1961–2003)

Die in Portugal ansässige Bevölkerung wurde für Ende Dezember 2008 auf 10.627.250 Personen geschätzt.[5] Damit hat sich die Bevölkerung seit 1900 verdoppelt. Das Bevölkerungswachstum war dabei keineswegs konstant. Einem Bevölkerungsrückgang im Jahre 1920 aufgrund den Auswirkungen des Ersten Weltkrieges, der Spanischen Grippe und einer Auswanderungswelle folgte eine Wachstumsphase, die bis in die 1940er Jahre dauerte und die von steigender Lebenserwartung der Menschen profitierte. Von etwa 1965 bis 1973 kam es zu starker Auswanderung, bis es 1974 aufgrund der Unabhängigkeit der Kolonien zu einer starken Rückwanderung kam. Die Auswanderung der 1980er Jahre kam in den 1990ern zu einem Stillstand.[6]

Das natürliche Bevölkerungswachstum war 2007 leicht negativ, 2008 stagnierte es. Das leichte Gesamtwachstum, das 2008 0,09 % und 2007 0.17 % betrug, ist deshalb nur auf die Nettomigration zurückzuführen. 2003 noch war die Bevölkerung um 0,64 % gewachsen.[5] Die Geburtenrate, die vor 1920 noch bei 30 pro 1000 Einwohner lag, ist bis 2008 auf 9,8 pro 1000 Einwohner gesunken. DieFruchtbarkeitsrate erreichte 2007 mit nur 1,33 Kindern pro Frau den tiefsten Wert in der Geschichte des Landes. In den 1960er Jahren bekam eine Frau im Durchschnitt drei Kinder.[5][7] Regional gibt es hinsichtlich der Bevölkerungsentwicklung erhebliche Unterschiede: Während die Bevölkerung der AlgarveLissabon und der Azoren wächst, geht jene des Alentejo und der Region Centro zurück.[8] Innerhalb Portugals gibt es starke Migrationsbewegungen, wobei die Wanderungsbewegungen aus den Regionen des Hinterlandes in Richtung der Zentren von Industrie (LissabonPorto) und Tourismus (Algarve,Madeira und Azoren) gehen.

Die Bevölkerung Portugals altert, 2008 waren 15,3 % der Bewohner 15 Jahre oder jünger, während 17,6 % 65 Jahre oder älter waren. Dieser Trend ist im Hinterland besonders ausgeprägt, der Grund ist die Abwanderung der jüngeren Bewohner in die Ballungszentren. Da zahlreiche Portugiesen, die im Ausland gearbeitet haben, für ihren Lebensabend in ihre Heimat zurückziehen, ist die Alterung der Bevölkerung des Landes besonders prägnant.[5][9] Die Lebenserwartung bei Geburt lag 2008 bei 81,7 Jahren für Frauen und 75,5 Jahren für Männer. Im Jahre 1970 war sie noch bei 70,3 bzw. 64,0 Jahren gelegen. Parallel dazu ging die Kindersterblichkeit zurück, 2008 lag sie bei 3,3 pro Tausend Lebendgeborenen, während sie 100 Jahre davor noch um 150 pro Tausend Lebendgeborenen gelegen hatte.[5][10]

Das durchschnittliche Heiratsalter ist in den letzten Jahren gestiegen, 2008 heirateten Frauen zum ersten Mal mit 26,8 und Männer mit 29,7 Jahren. Dabei sinkt der Anteil kirchlicher Ehen rapide, von 59,6 % im Jahre 2003 auf 44,4 % 2008.[11]

Portugiesen im Ausland

Für lange Zeit war Portugal ein Auswanderungsland; wichtige Zentren der portugiesischen Kultur in der Diaspora gibt es vor allem in Frankreich, wo allein 1.132.048 Portugiesen[12] leben, aber auch in vielen anderen Staaten. In Luxemburg lebten 2012 81.274 Portugiesen, damit stellten sie 16 Prozent der Bevölkerung Luxemburgs.[13] Andererseits war Portugal schon während der Unabhängigkeitskriege seiner Kolonien Zielland für Einwanderer aus den kolonisierten Regionen.

Ausländische Bevölkerung

Ausländer in Portugal mit ihren Herkunftsländern. Alle portugiesischsprachigen Länder sind in grünen Farbtönen gehalten.
Datenquelle: INE[14]

Seit dem Beitritt Portugals zur Europäischen Union 1986 und dem damit verbundenen politischen und wirtschaftlichen Wandel ist Portugal verstärkt zu einem Einwanderungsland geworden, wobei die Herkunftsländer der Zuwanderer vor allem in Afrika (AngolaKap VerdeGuinea-Bissau), Südamerika (Brasilien) sowie Osteuropa (UkraineRussland und Moldawien) liegen.

Ende 2008 lebten 443.102 ausländische Staatsangehörige in Portugal. Diese stammen zu mehr als der Hälfte aus anderen portugiesischsprachigen Ländern, sind meist katholischen Glaubens und teilen deshalb einen ähnlichen kulturellen Hintergrund.[14] Etwa ein Viertel der Ausländer, die in Portugal leben, sind Europäer, wovon ein Teil Rückkehrer sind, also aus Portugal ehemals ausgewanderte Portugiesen, die mit fremder Staatsbürgerschaft zurückgekehrt sind. Ein anderer Teil sind Dauerurlauber, die in Portugal ihre Pension verbringen.

Die ausländische Bevölkerung lebt zu mehr als der Hälfte in Lissabon, davon abgesehen konzentriert sie sich auf die Stadtgebiete an der Küste. Im Hinterland liegt der Anteil bei unter 0,5 %.

Religion

Die große Mehrheit der Portugiesen bekennt sich zum römisch-katholischen Glauben, wobei der Anteil an der Gesamtbevölkerung mit Werten zwischen 85 %[15] und 95 %[16] angegeben wird.

In Portugal herrscht Glaubensfreiheit und, seit Einführung des Gesetzes über die Glaubensfreiheit (Lei da Liberdade Religiosa)[17] offiziell auch Gleichheit zwischen den Religionen. Die Gleichheit ist aber in der Realität noch nicht erreicht: die Kirche betreibt in Portugal bedeutende Kultureinrichtungen, eine angesehene Universität, Privatschulen und auch einen Radiosender. Weiter ist das Gesetz über die Glaubensfreiheit nur teilweise auf die katholische Kirche anzuwenden.[15] Ob öffentliche Schulen verpflichtet sein sollen, Religionsunterricht anzubieten, ist in Portugal seit 25 Jahren umstritten.[15]

In der ersten Verfassung Portugals von 1822 wurde der Katholizismus zur Staatsreligion erklärt. Die Verfassung von 1826 schaffte die religiöse Verfolgung ab. Die offizielle Trennung von Staat und Kirche erfolgte mit der republikanischen Revolution von 1910, wobei Konkordate mit dem Vatikan der katholischen Kirche weiterhin weitreichende Privilegien einräumten.[15] Die portugiesische Ausprägung des Katholizismus wird, im Vergleich zur Praxis in anderen Ländern, als menschlich, lyrisch und mit Verständnis für die fleischlichen Dinge des Lebens beschrieben.[18] Typisch ist die starke Verehrung der Jungfrau Maria. Wichtigstes Pilgerziel ist der Wallfahrtsort Fátima. Hier soll die Jungfrau Maria 1917 drei Hirtenkindern erschienen sein.

Im Mittelalter spielten zwei weitere Religionen eine bedeutende Rolle in Portugal. Mauren und Araber beherrschten zeitweise den Süden des Landes. Nach der Reconquista mussten sie das Land verlassen oder sich den Christen unterwerfen. Sie brachten zahlreiche technologische Fortschritte mit sich, wie Verbesserungen im Brunnenbau, Bewässerung, Olivenanbau, Anbau von Zitrusfrüchten, Baumwolle und Zuckerrohr, die Seidenraupenzucht, die Herstellung von Fliesen, Jalousien, Hygiene und Ornamentik. Die Gesellschaft im damaligen Portugal bot auch unterworfenen oder versklavten Mauren die Möglichkeit, gesellschaftlich aufzusteigen, so dass die muslimische Bevölkerung in der christlichen aufging.[19] Die Juden genossen im Mittelalter den Schutz der portugiesischen Könige. Das durch Handel und Verwaltungsposten in Staat und Kirche angehäufte Vermögen diente als Grundlage für den Aufbau der portugiesischen Flotte. 1504 und 1506 kam es in Lissabon jedoch zu anti-jüdischen Pogromen.